Clipboard-Manager im Vergleich

  Ralf Hersel   Lesezeit: 9 Minuten

Einige kurze Tests von Anwendung zur Verwaltung der Zwischenablage.

clipboard-manager im vergleich

Die meisten von euch, kommen mit der systemeigenen Zwischenablage aus: Ctrl+c, Ctrl+v, fertig. Diese Zwischenablage speichert einen Inhalt temporär ab, um ihn sogleich in einer anderen Anwendung oder Instanz wieder verwenden zu können. Wer eine multiple Zwischenablage benötigt, greift zu einem Clipboard-Manager, der es erlaubt, mehrere Inhalte abzulegen und zu verwenden.

In diesem Artikel habe ich mehrere populäre Clipboard-Manager ausprobiert. Als Testsystem diente eine virtuelle Maschine (GNOME-Boxes) auf der Debian-Testing mit dem standardmässigen GNOME-Desktop läuft. Folgende Werkzeuge für die Zwischenablage habe ich ausprobiert:

Für diesen Test habe ich kein grosses Federlesen betrieben. Entweder lässt sich das Werkzeug auch durch Anfänger installieren und bedienen, oder eben nicht. Falls mein Test nicht beim ersten Versuch zum Erfolg führte, habe ich mich dem nächsten Clipboard-Manager zugewandt. Das heisst nicht, dass einer der Testkandidaten mit etwas Liebe doch gut funktionieren würde. Ich hatte einfach keine Lust, zu viel Zeit in diesen Artikel zu investieren.

CopyQ

Dieser Clipboard-Manager verspricht eine grosse Funktionsvielfalt:

  • Unterstützung für Linux, Windows und OS X 10.15+
  • Speichern von Text, HTML, Bildern und beliebigen anderen benutzerdefinierten Formaten
  • Schnelles Durchsuchen und Filtern von Objekten im Verlauf der Zwischenablage
  • Sortieren, Erstellen, Bearbeiten, Entfernen, Kopieren/Einfügen, Drag'n'Drop von Elementen in Registerkarten
  • Hinzufügen von Notizen und Tags zu Objekten
  • Systemweite Tastaturkürzel mit anpassbaren Befehlen
  • Einfügen von Objekten mit Tastaturkürzeln, aus der Taskleiste oder aus dem Hauptfenster
  • Vollständig anpassbares Erscheinungsbild
  • Erweiterte Befehlszeilenschnittstelle und Skripting
  • Ignorieren von Zwischenablagen, die aus bestimmten Fenstern kopiert wurden oder bestimmten Text enthalten
  • Unterstützung für einen einfachen Vim-ähnlichen Editor mit Tastenkombinationen

Vielleicht denkt ihr an dieser Stelle dasselbe wie ich: zu viel.

Installiert habe ich CopyQ mit diesem Befehl: sudo apt install copyq. Dann startet man es mit copyq im Terminal. Darauf folgt: ERROR: QtCritical: Failed to activate Wayland clipboard. Startet man CopyQ über den App-Launcher, zeigt sich dieses Bild:

Dieses Qt-Fenster nimmt keine Zwischenablagen an und verschwindet nach ein paar Sekunden im Hintergrund. Es kann sein, dass sich mir die Bedienung nicht erschliesst. Durchgefallen; weiter zum nächsten Werkzeug.

GPaste

Wie der Name vermuten lässt, orientiert sich GPaste am GNOME-Desktop. Das Werkzeug verspricht:

  • Unterstützung für Bilder
  • Anpassbare Tastenkombinationen für mehr Produktivität
  • Unterstützung von GNOME-Erweiterungen für eine bessere Reichweite
  • Möglichkeit zur Anpassung von Verlauf und Größe
  • Die Inhalte überleben einen Neustart

Man installiert es unter Debian mit diesem Befehl: sudo apt install gpaste-2. Dann wird es mit gpaste im App-Launcher gestartet:

Die Bedienung ist einfach: Man kopiert irgendetwas in irgendeinem Programm. Getestet habe ich einfachen Text, Bilder und Inhalte von LibreOffice Writer, wie ihr im Screenshot sehen könnt. Vor dem Einfügen genügt ein Klick auf einen Eintrag in GPaste. Dann kann der ausgewählte Eintrag mit Ctrl+v in die Zielanwendung eingefügt werden.

GPaste bietet viele Einstellmöglichkeiten; unter anderem sind Hotkeys vorkonfiguriert, die bei meinem Test leider nicht funktionierten. Für einen Clipboard-Manager ist das eine wesentliche Funktion, möchte man doch schnell auf die gespeicherten Zwischenablagen zugreifen können. Ein Systray-Icon wäre hier angebracht. Die Zeit hat nicht ausgereicht, um das näher zu untersuchen.

Diodon

Dieser Clipboard-Manager sollte unter GNOME und KDE-Plasma laufen. Installiert habe ich die Anwendung unter Debian mit: sudo apt install diodon.

Diodon verspricht diese Funktionen:

  • Unterstützung für Tray Icons als Standard
  • Möglichkeit der Synchronisierung von Zwischenablagen
  • Automatisches Einfügen von ausgewählten Elementen
  • Unterstützung für Bilder

Nach dem Start zeigt sich diese Fehlermeldung:

Abbruch, Abbruch!

Parcellite

Das soll es können:

  • Dauerhafter Verlauf
  • Synchronisierung mit anderen Zwischenablagen
  • Tippen für die Suche
  • Leerzeichen und Zeilenumbrüche trimmen

So habe ich es installiert: sudo apt install parcellite. Nach dem Start gibt es das:

Erneuter Abbruch des Tests.

Pano

So langsam reisst mir der Geduldsfaden. Lediglich GPaste hat bisher funktioniert. Schauen wir, wie sich der letzte Kandidat im Testfeld schlägt. Pano ist eine GNOME-Shell-Extension, die bei Debian-basierten Systeme eine Vorbereitung erfordert, nämlich: sudo apt install gir1.2-gda-5.0 gir1.2-gsound-1.0

Danach geht man auf https://extensions.gnome.org/extension/5278/pano/ und installiert die Erweiterung. Pano bietet:

  • Integration mit der bestehenden GUI-Zwischenablage unter Linux
  • Attraktives Design mit grafischer Vorschau auf die Inhalte der Zwischenablagen
  • Rasend schnell
  • Keine Konfiguration erforderlich und einfach zu bedienen

Bei meinem Test hat das reibungslos funktioniert. Pano liefert Benachrichtigungen beim Kopieren von Inhalten und hat ein Systray-Icon, über welches man die Ansicht der kopierten Inhalte aufrufen kann:

Diese Übersicht präsentiert sich im unteren Bildschirmbereich. Möchte man einen Inhalt zum Einfügen auswählen, klickt man darauf und fügt ihn mit Ctrl+v in die Zielanwendung ein. Wer viele Inhalte in Pano gespeichert hat, kann das Suchfeld verwenden, um die Inhalte einzugrenzen. Die erfassten Inhalte überleben auch einen Neustart.

Fazit

Von den getesteten Clipboard-Managern konnten mich nur GPaste und Pano überzeugen. Ersterer ist weniger auffällig und raumgreifend, Pano punktet mit dem Vorschau-Konzept und einer guten Integration. Vermutlich gibt es noch viele weitere Clipboard-Manager (insbesondere im KDE- und Xfce-Umfeld), die ich in diesem Artikel nicht getestet habe. Bevor man sich ein solches Werkzeug installiert, sollte man sich fragen, ob man eine multiple Zwischenablage wirklich benötigt. Ausserdem ist zu bedenken, dass diese Anwendungen auch ein gewisses Risiko für die Privatsphäre beinhalten. Vielleicht möchtet ihr nicht, dass jede, die an eurem Computer arbeitet, sehen kann, was ihr in den letzten drei Wochen zwischengespeichert habt.

Quellen: siehe Links in der Einleitung

Tags

Clipboard, Zwischenablage, Clipboard-Manager

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